Kiyomasa


Unser Karate-Dojo trägt den Namen des Samurais Kato Kiyomasa. Nachfolgend sind interessante Informationen über dessen Leben zusammengetragen.


Benennt man die wichtigsten Persönlichkeiten aus der japanischen Geschichte, so fällt auch sehr bald der Name Kato Kiyomasa. Kato Kiyomasa (1562 - 1611), auch bekannt als Toranosuke, wurde als Sohn eines Hufschmieds in Nakamura, einem Dorf in Owari geboren. Er war ein Gefolgsmann und Freund des Generals Toyotomi Hideyoshi, der aus dem selben Dorf kam.

Der Aufstieg Kiyomasas begann, als er mit Toyotomi Hideyoshi in einer Schlacht gegen die Krieger des Fürsten Sakuma Morimasa kämpfte. Kiyomasa und sechs weiteren Samurais gelang es, den hohen General des Feindes Niiro Tadamoto gefangen zu nehmen. Diese Tat brachte ihnen den Titel "Sichi hon Yari" (sieben Speere) ein. Außerdem erhielt er für seine Dienste ein Lehen in der Higo Provinz.

Die mittelalterische Kriegsführung der Samurais ist mit der europäischen Kriegsführung nicht zu vergleichen. Vermutlich durch die isolierte japanische Kultur (Insel) haben sich viele Rituale lange Zeit erhalten. So wurde vor einer Schlacht Tameshi-Giri (Test-Durchtrennen) an lebenden Gefangenen durchgeführt. Während des Korea-Feldzugs (1592) brachte man einen gefangenen Koreaner vor die versammelten Sengoku-Daimyo (Feudale Kriegsherren). Für den Tameshi-Giri verwendeten die Samurais immer ihre eigenen Schwerter. Masamune Date händigte aber sein Tachi (Schwert) an Kiyomasa aus. Dieser sollte damit den Tameshi-Giri durchführen. Anfänglich zögerte er, als aber andere Daimyos (Feudal Lords) darauf bestanden, wurde der große, dunkelhäutige Koreaner mit diesem Schwert in zwei Hälften geteilt. Das Schwert wurde daraufhin "Kuonbo-giri Kagehide" genannt, was soviel wie "Dunkelhäutige Person durchtrennendes Schwert" bedeutet. Kagehide war ein Katana-Schwert aus Bizen, einer berühmten japanischen Schwertmacher-Gegend. In Japan hatten alle wertvollen Schwerter einen eigenen Namen. Dies zeigte die Verbundenheit der Samurais mit ihren Schwertern.

Ein weiteres Ritual bestand darin, dass zu Beginn einer Schlacht die vornehmsten Krieger unter wüstester Beschimpfung des Gegners und Herausstellung der eigenen Verdienste den Zweikampf mit dem Feind suchten. Durch die Einführung der Feuerwaffen Anfang des 17. Jahrhunderts wurde aber mehr und mehr auf diese Rituale verzichtet und die Samurais vermieden es, sich von der Masse herauszuheben, weil sie dadurch für die Schützen ein sehr gutes Ziel abgaben.

Die Partei, welche am Schluss der Schlacht beim "Kubi jikken" die meisten gewonnenen Einzelkämpfe vorwies, konnte die Schlacht für sich verbuchen. Beim "Kubi jikken" handelte es sich um das zur Schau stellen von Köpfen der enthaupteten Feinde, welche von den Knappen der Samurais während der Schlacht aufgesammelt wurden. Im alten Japan fanden Kämpfe zumeist nur unter Samurais statt, während die Gefolgschaft der Samurais hauptsächlich Knappendienste leisteten. Jeder Kopf wurde klassifiziert und der Samurai erhielt dafür Titel (z.B. "Tsukiyari no komyo" - Im Speerkampf genommener Kopf) und entsprechende Belohnung. Für die Tötung eines Verbündeten wurde dem Samurai ein Finger abgeschnitten. Die Köpfe wurden dabei mit größter Achtung behandelt und vor der Präsentation gesäubert und das Haar eingeölt. Köpfe von hohen Befehlshabern erhielten sogar ein rituelles letztes Mahl.

Kato Kiyomasa erhielt wohl öfters die Auszeichnung "Tsukiyari no komyo", da seine bevorzugte Waffe der Speer war. Deshalb wird er auch oft mit einem Speer dargestellt. Beide Speere die von Kiyomasa benutzt wurden gehören heute zu den Nationalheiligtümern Japans.


In seinem Gebiet begann Kiyomasa unverzüglich mit einer fanatischen Christenverfolgung, was einen Konflikt mit seinem unmittelbaren Nachbarn Konishi Yukinaga zur Folge hatte, welcher selbst Christ war. Beide gingen sich dabei möglichst aus dem Weg.

Während der Koreafeldzüge 1592-1598 wurde Kiyomasa unter Hideyoshi zum Oberbefehlshaber ernannt. Kiyomasa wurde gegen Ende des Feldzuges mit einigen seiner Gefolgsleuten in einer Burg von der chinesischen Armee umzingelt. Die Belagerten hielten unter schlimmsten Bedingungen aus und mussten sprichwörtlich die "Rinde von den Bäumen fressen", bevor ein Entlastungsangriff die Belagerung aufhob.

Nach dem Tod von Hideyoshi baten die Feldherren Tokugawa Ieyasu and Ishida Mitsunari um die Unterstützung Kiyomasas. Schließlich schloss sich Kiyomasa dem Feldherrn Tokugawa Ieyasu an und erhielt für seine Verdienste den anderen Teil der Provinz Higo, da Konishi Yukinaga während der Schlacht von Sekigahara (August-Oktober 1600) umgekommen war.

Kato Kiyomasa verstarb 1611. Zu dieser Zeit wütete eine Epidemie (Chinesische Pocken) in Japan. Den Pocken fielen auch viele einflussreiche Samurais zum Opfer. Offiziell kam Kiyomasa durch die Pocken um. Kiyomasa war aber enger Freund des Sohnes Hideyoshis der Tokugawa im Weg stand, Shogun zu werden. Es lässt sich also nur vermuten, ob die Pocken nicht nur ein Deckmantel für den Tod von Kato Kyomasa waren.


Kiyomasa ist aber nicht nur als Kriegsherr, sondern auch als Meister des Burgenbaus bekannt geworden. Eines der bedeutendsten Schlösser Japans, Kumamoto Castle (Kumamoto-jo) wurde von Kato Kiyomasa erbaut. Es dominiert das Stadtzentrum von Kumamoto und ist neben Osaka und Nagoya Castles eines der berühmtesten Schlösser Japans. Bekannt ist es für seine extrem steilen, nach außen gewölbten Außenmauern, die man nicht so ohne weiteres erklimmen kann.

Viele geniale Erfindungen Kiyomasas kann man im Kumamoto Castle bestaunen. Die Fertigstellung dauerte 7 Jahre von 1601 bis 1608. Dem entsprechend hat die gesamte Schlossanlage beeindruckende 13 km Umfang, einen Hauptturm, einen Nebenturm, 49 Geschütztürme und 29 Schlosstore.

Das Schloss wurde 1877 während der Seinan Rebellion zerstört, anschließend wieder rekonstruiert und beherbergt wichtige historische Exponate im Burgturm.


Kato Kiyomasa wird als grausamer Krieger und oft als erbarmungslos bezeichnet. Er war ein Krieger - nicht mehr und nicht weniger.

Zum Beispiel schrieb Kiyomasa einmal seinen Gefolgsleuten, dass Poesie und Tanz für einen Samurai Schande seien und befahl jedem, der sich dem in letzter Zeit hingab Selbstmord zu begehen.

Seine Grausamkeit und Liebe zum Kampf brachten ihm den Namen Kishokan oder 'Teufels General' ein.


(t)